Nicole Munk im Interview: GMW-Geschäftsführerin zum 35-jährigen Firmenjubiläum

September 2012
Autor: Nicole Munk


Nicole Munk: GMW-Geschäftsführerin im Interview zum 35-jährigen Jubiläum und mit Ausblicken in die Unternehmenszukunft und Entwicklung der Branche.

Am 15.09.1977 wurde die GMW Personaldienstleistungen, damals als "Gesellschaft für Montage industrieller Anlagen und technische Wartung", ins Handelsregister eingetragen. Gründer der GMW ist Otto Eberle, der sich vor zwei Wochen im Alter von 65 Jahren und 35 Jahre nach Unternehmensgründung in den Ruhestand verabschiedete. Damals hatte die GMW ihren Sitz in der Kaiserstraße 183 in Karlsruhe.

Heute, 35 Jahre später, beschäftigt die GMW rund 1.200 Mitarbeiter an 18 Standorten. Sie hat ihr Portfolio erweitert und bietet neben Zeitarbeit auch begleitende Dienstleistungen oder die direkte Personalvermittlung an. Das Ziel ist aber gleich geblieben: Unternehmen mit geeignetem Personal zu unterstützen und Mitarbeitern Arbeitsplätze mit Perspektive bei den passenden Unternehmen zu bieten.

Frau Munk, Sie leiten die GMW in zweiter Generation und sind jetzt seit zwei Wochen die alleinige operative Geschäftsführerin. Bei GMW sind Sie aber schon seit über 10 Jahren. Können Sie sich noch erinnern, wie für Sie alles begann?
Nicole Munk: Im Jahr 2000 bin ich bei der GMW gestartet. Damals hatten wir zwei große Standorte: den Gründungsstandort in Karlsruhe, und die Niederlassung Pforzheim war kurz vor ihrem 20-jährigen Jubiläum. Zahlreiche, von Karlsruhe aus betreute, Unternehmen hatten ihren Sitz aber im Landkreis Rastatt. Deshalb haben wir uns entschlossen, unsere dritte Niederlassung zu gründen und haben mitten im Stadtzentrum von Rastatt einen Standort eröffnet. Damit wollten wir näher bei den Kundenunternehmen sein und so auch die Wege für unsere Mitarbeiter verkürzen.

Ich habe die Niederlassung damals geleitet und dort ein tolles Team aufgebaut. Besonders schön für mich ist, dass viele der Kollegen auch heute noch an Bord sind: unsere damalige Auszubildende Sabine Warwas zum Beispiel, die kurz nach mir bei GMW begonnen hat, hat eine steile Karriere bei uns gemacht und ist heute unsere Niederlassungsleiterin in Achern.

Kurz danach, im Jahr 2002, kam ja dann auch das 25-jährige Jubiläum der GMW. Wie wurde denn damals dieses runde Jubiläum begangen?
Nicole Munk: Da das ja ein offizielles Jubiläum war, gab es natürlich Glückwünsche von vielen Stellen, so zum Beispiel auch von der Industrie- und Handelskammer. Dort sind wir als GMW auch nicht einfach nur ein Mitgliedsunternehmen, sondern engagieren uns ehrenamtlich zum Beispiel seit 2008 als Prüfer für die Auszubildenden zu Personaldienstleistungskaufleuten oder auch im Verband der Wirtschaftsjunioren. Damit wollen wir gesellschaftlich wichtige Themen voranbringen und uns bspw. für Bildung und Ausbildung einsetzen.

Ab 2008, also just in der großen Finanz- und Wirtschaftskrise, ging es dann für GMW richtig in die Expansion: 2008 wurde eine neue Niederlassung in Bruchsal eröffnet, 2009 dann drei weitere Standorte und 2010 nochmal sechs Niederlassungen. Was war der Grund dafür?
Nicole Munk: Wir wussten, dass es mutig war, mitten in der Krise weiter zu wachsen, aber andererseits hat sich das für uns als große Chance dargestellt. Aus unserer Sicht muss sinnvolles, nachhaltiges Wachstum vor allem zwei Kriterien erfüllen: Einerseits müssen sich neue Standorte in regionaler Nähe zu bestehenden Niederlassungen befinden, damit sowohl bei der Mitarbeiter- als auch Kundenbetreuung die "Nachbarn" eng zusammen arbeiten können und sich ein gutes Netz ergibt. Andererseits brauchen wir auch ein gutes internes Team, das sich im Markt vor Ort auskennt. Gerade der zweite Punkt war während der Krise gegeben: wir konnten tolle neue Mitarbeiter für uns gewinnen, da zahlreiche andere Zeitarbeitsunternehmen eher Standorte geschlossen haben. So waren wir optimal aufgestellt, als es in 2010 wieder aufwärts ging.

Frau Munk, Sie haben ja beides selbst erlebt: die kleinere, familiärere GMW mit "nur" drei Standorten und jetzt eine größere GMW mit einem Netz von zwischenzeitlich 18 Standorten nach den jüngsten Eröffnungen 2011 und 2012. Was ist der Unterschied?
Nicole Munk: Ich würde zunächst mal nicht sagen, dass man nur die kleinere GMW als "familiär" bezeichnen kann. Sicher ist es einfacher mit einem kleineren Team eine familiäre Atmosphäre zu erzeugen, aber uns ist es sehr wichtig, dass diese "Wohlfühl-Atmosphäre" auch heute erhalten bleibt. An den einzelnen Standorten sorgen dafür die Niederlassungsleiter mit ihrem Team, die sich persönlich und individuell um jeden einzelnen Mitarbeiter kümmern. Für die gesamte GMW leben wir immer eine Führungskultur der "offenen Tür". Das bedeutet ganz konkret, dass wir flache Hierarchien haben und stets ein offenes Ohr: bei mir selbst kann zum Beispiel jeder Kollege immer gerne direkt anrufen.

Aber natürlich erfordert ein größeres Unternehmen eine andere Organisation und definierte Prozesse. Damit unser Qualitätsstandard an allen Standorten der gleiche ist, haben wir diese Prozesse zum Beispiel letztes Jahr durch den TÜV zertifizieren lassen. So können wir die Balance zwischen einer großen "GMW-Familie" und professionellem Arbeiten in einem mittelständischen, gewachsenen Unternehmen halten.

Und wie hat sich die Branche allgemein verändert in den letzten 35 Jahren?
Nicole Munk: Als GMW 1977 gegründet wurde, war der Unternehmenszweck in erster Linie die Durchführung von Industrie-Montagen. Das zeigt auch der Unternehmensname, denn GMW war die Abkürzung für "Gesellschaft für die Montage industrieller Anlagen und technische Wartung". Das Thema Zeitarbeit war damals stark auf den Metall- und Elektrobereich in Industrieunternehmen bezogen. Die Zeitarbeitsbranche hat in den vergangenen 35 Jahren einen starken Wandel durchgemacht, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen gesetzlichen Änderungen zum Beispiel die stufenweise Verlängerung der maximalen Überlassungsdauer bis zur Aufhebung der Beschränkung im Jahr 2004.

Daneben hat sich auch die Anwendung der Zeitarbeit verändert: Zeitarbeitnehmer werden längst nicht mehr nur in Produktionsunternehmen eingesetzt, sondern zwischenzeitlich in fast allen Branchen und über alle Qualifikationen, um den Unternehmen Flexibilität und ggf. auch zusätzliches, externes Know-How zu bringen. Außerdem hat sich der Markt parallel von der klassischen Zeitarbeit hin zur Personaldienstleistung verändert, die daneben auch weitere Serviceleistungen für Unternehmen umfasst wie bspw. das Outsourcing einzelner Bereiche oder die direkte Personalvermittlung. GMW hat dieser Entwicklung frühzeitig Rechnung getragen und sich vor rund 10 Jahren von GMW Zeitarbeit in GMW Personaldienstleistungen umbenannt.

Zu guter Letzt wollen wir das Jubiläum natürlich auch als Gelegenheit nutzen, nach vorne zu blicken: welche Veränderungen und Herausforderungen sind in der nächsten Zeit zu erwarten und worauf können wir uns bei der GMW einstellen?
Nicole Munk: Im Moment und auch in den nächsten Jahren beschäftigen uns zwei große Themen: Zum einen verändert sich aufgrund des demografischen Wandels der Arbeitsmarkt stark. Bei positiver Wirtschaftsentwicklung führt das dazu, dass wir, besonders hier in Süddeutschland, einen Arbeits- und Fachkräftemangel haben. Es fehlen uns dabei nicht nur Ingenieure, sondern auch qualifizierte Fachkräfte zum Beispiel im technischen oder Pflege-Bereich. Daher müssen wir neue Wege gehen, um für unsere Kundenunternehmen geeignete Mitarbeiter zu rekrutieren.

Die zweite große Veränderung ist die Einführung von "equal pay" ab November 2012. "Equal pay" führt zu einer Lohnangleichung der Zeitarbeitnehmer mit der jeweiligen Stammbelegschaft. Das zieht große organisatorische Veränderungen und einen erhöhten internen Aufwand nach sich und macht Zeitarbeit für Mitarbeiter und Kunden erklärungsbedürftiger. Das Schöne daran ist, dass wir den meisten Mitarbeiter vermutlich künftig eine bessere Bezahlung bieten können. Wir hoffen sehr, dass unsere Kundenunternehmen das gegenfinanzieren können und diese Änderung nicht zu einem größeren Rückgang der Zeitarbeit vor allem im geringqualifizierten Bereich führen wird.

Die GMW bereitet sich darauf vor, in dem wir neue Wege der Mitarbeiterrekrutierung suchen und verstärkt auch auf zusätzlichen Service für unsere Kundenunternehmen setzen. Wir bauen den Bereich der direkten Personalvermittlung weiter aus und stellen vermehrt qualifizierte Fach- und Führungskräfte ein. Außerdem wollen wir weiter wachsen und für unsere französische Muttergesellschaft SYNERGIE den deutschen Markt erschließen. In diesem internationalen Netzwerk mit Gesellschaften in 13 weiteren Ländern können wir zum Beispiel auch Synergien nutzen bei der Rekrutierung und Vermittlung von Mitarbeitern.


Hinweis zum Artikel: GMW heißt jetzt SYNERGIE.
Seit 2011 gehört GMW zur internationalen SYNERGIE-Gruppe und hat in 2014 auch deren Namen übernommen. Seitdem firmiert das Unternehmen als SYNERGIE Personal Deutschland GmbH. Lesen Sie hier mehr dazu.

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