Brückenteilzeit – gleiches Arbeitspensum bei weniger Arbeitszeit

Januar 2019
Autor: Carola Schneider


Zum 01.01.2019 ist die sogenannte Brückenteilzeit in Kraft getreten. Was genau ist das eigentlich und wie wirkt es sich auf Unternehmen aus? Wir haben nachgefragt bei Michael Haitz, Personal- und Organisationsleiter bei SYNERGIE.

Herr Haitz, was genau besagt diese neue Regelung?
Schon bisher konnten Beschäftigte ihre vertraglich festgelegte Arbeitszeit für eine bestimmte Zeitspanne reduzieren. Durch die neu eingeführte Brückenteilzeit erhalten Mitarbeiter nun das Recht, nach Ablauf dieses Zeitraums wieder zur ursprünglichen Arbeitszeit zurückzukehren. 

Wer profitiert davon?
Ganz klar die Arbeitnehmer. Vor allem diejenigen, bei denen die üblichen Teilzeitmöglichkeiten wie Eltern- oder Pflegezeit nicht greifen. Um ihnen dennoch Flexibilität und mehr Zeit für private Aufgaben und Interessen zu bieten, ohne dass sie sich in die unbefristete Teilzeit begeben müssen, wurde die Brückenteilzeit eingeführt. Damit kann die Arbeitszeit ohne Angabe einer Begründung an die jeweilige Lebensphase angepasst werden. 

Also kann jeder Mitarbeiter in Brückenteilzeit gehen?
Nein, natürlich ist das Ganze an gewisse Voraussetzungen und bestimmte Bedingungen geknüpft.

Was ist Voraussetzung?
Zunächst einmal kann die Brückenteilzeit nur in Unternehmen zum Tragen kommen, die mehr als 45 Mitarbeiter beschäftigen. Wenn dies der Fall ist, kann sie mit mindestens dreimonatiger Vorlaufzeit beantragt werden. Allerdings auch nur, wenn das Arbeitsverhältnis zu diesem Zeitpunkt schon länger als sechs Monate besteht.
Generell ist es auch so, dass sich die Anzahl der gesetzlich vorgeschriebenen Bewilligungen an  Brückenteilzeitanträgen an der Unternehmensgröße orientiert. Bei Betrieben mit bis zu 200 Beschäftigten muss pro 15 Mitarbeiter ein Antrag gewährt werden. Außerdem dürfen ebenso seitens des Arbeitergebers keine betrieblichen Gründe gegen die Brückenteilzeit sprechen. 

Alle Voraussetzungen sind erfüllt: Wie sehen die Bedingungen aus?
Der Zeitraum, über den die Arbeitszeit reduziert werden soll, wird vorab genau definiert. Er muss sich mindestens über ein Jahr erstrecken und darf fünf Jahre nicht überschreiten. Der vereinbarte Stundensatz muss währenddessen eingehalten werden, das heißt es ist weder eine weitere Verringerung noch eine Erhöhung der Arbeitszeit möglich. Eine vorzeitige Rückkehr aus der Brückenteilzeit kommt auch nur aus Kulanz des Arbeitgebers infrage. Diese Bedingungen sollen den Unternehmen trotz der Brückenteilzeit eine gewisse Planungssicherheit im Personalbereich geben.   

Da Sie gerade von Planungssicherheit sprechen: Wie wirkt sich die Brückenteilzeit noch auf Unternehmen aus?
In erster Linie bekommen Arbeitgeber die Brückenteilzeit in Form von fehlender Arbeitskraft zu spüren. Denn: gleiches Arbeitspensum bei weniger Arbeitszeit - wenn Frau Müller von Voll- in Teilzeit übergeht, bleibt Arbeit liegen. Das muss natürlich aufgefangen werden. Doch je nachdem in welchem Umfang Stunden reduziert werden, lässt sich daraus oft keine neue Teilzeitstelle schaffen, was dann wiederum in aufwendigen Umstrukturierungen zulasten der anderen Mitarbeiter resultiert.

Welche Risiken – und vielleicht auch Chancen – ergeben sich durch die Brückenteilzeit auf Seite der Arbeitgeber?
Wie gesagt, oftmals ist eine Aufgabenumverteilung erforderlich, so dass die übrigen Mitarbeiter die fehlende Arbeitskraft kompensieren müssen. In diesem Fall ist das Risiko der Überlastung und Überforderung  nicht zu verkennen. Wird im anderen Fall zum Ausgleich eine neue Teilzeitstelle geschaffen, ist mit einer Befristung zu rechnen, da der Brückenteilzeitnehmer irgendwann zurückgekehrt und die zusätzliche Arbeitskraft nicht mehr benötigt wird.
Eine Chance besteht auf jeden Fall darin, die Mitarbeiter zu binden. Bewillige ich als Arbeitergeber die Brückenteilzeit, zeige ich dem Arbeitnehmer, dass ich auf seine Wünsche eingehe und ihm mehr Zeit für sein Privatleben einräume – langfristig stimmt das zufrieden und stärkt dadurch die Mitarbeiterbindung an das Unternehmen.  

Wie können Unternehmen mit der Brückenteilzeit umgehen, wenn sie weder jemanden zusätzlich einstellen noch die Mitarbeiter überlasten wollen? 
Die Brückenteilzeit kann durch Arbeitnehmerüberlassung bestens ausgeglichen werden. Dabei übernimmt überlassenes Personal für die Zeitspanne der Brückenteilzeit die Aufgaben, die durch die reduzierte Arbeitszeit liegen bleiben. Für das Unternehmen selbst ergeben sich dabei keine Arbeitgeberpflichten, da diese beim Personaldienstleister liegen. Für Arbeitgeber bedeutet dies Flexibilität, da sie einen Ausgleich schaffen können ohne sich zu verpflichten. Wenn Frau Müller dann zum Beispiel verfrüht aus der Brückenteilzeit zurückkehren möchte, kann darauf flexibel reagiert werden, was wiederum ein Pluspunkt in Hinblick auf die Mitarbeiterbindung ist.


Weitere Informationen zur Brückenteilzeit finden Sie auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit & Soziales 2018

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