Nicole Munk im Interview - Zeitarbeit im Wandel

June 2014
Autor: Carola Schneider


SYNERGIE Geschäftsführerin Nicole Munk spricht im Interview zur aktuellen Entwicklung in der Zeitarbeitsbranche mit dem regionalen Wirtschaftsmagazin econo.

Die Zeitarbeitsbranche stagniert angesichts eines leergefegten Arbeitsmarkts. Wachstum verspricht nur noch das Vermitteln ausländischer Arbeitskräfte. Deshalb schloss sich die Karlsruher GMW der französischen SYNERGIE-Gruppe an.

GMW vermittelte schon Arbeitskräfte an Unternehmen, als es den Begriff Zeitarbeit noch gar nicht gab. Nun, nach 37 Jahren schlüpfte der Karlsruher Personaldienstleister unter das Dach der französischen SYNERGIE-Gruppe. Econo sprach mit der alten und neuen Geschäftsführerin Nicole Munk – Tochter von Firmengründer Otto Eberle - über die Beweggründe des Verkaufs, die Herausforderungen für die Branche und die politischen Diskussionen um die Zeitarbeit.

Frau Munk, Umsatz und Ertrag stimmen. Mit 1400 Mitarbeitern gehören sie zu den Top 100 der rund 11000 Personaldienstleister in Deutschland. Warum dann der Verkauf? Warum Synergie?
Nicole Munk: Wir sind ein Unternehmen zum Anfassen, nah bei den Kunden, nah bei den Mitarbeitern. Unsere 19 Niederlassungen in Baden-Württemberg sind der Beleg dafür. Ein klassischer Mittelständler eben. Und genau diese Tugenden und Werte verkörpert auch die SYNERGIE-Gruppe. Trotz ihrer Größe als Nummer fünf in Europa blieben sie ihren Wurzeln treu. Nur ein Beispiel: Mit Daniel Augereau führt der Gründer seit nunmehr über 40 Jahren das Unternehmen.

Bleibt noch die Frage nach dem Warum offen.
Nicole Munk: Damit die Zahlen auch in Zukunft noch stimmen. In Deutschland ist weiteres Wachstum nur über Zukäufe, neue Dienstleistungen oder ein internationales Netzwerk möglich. Der Grund dafür ist einfach: Der Arbeitsmarkt ist nahezu leergefegt.

Leidet die Zeitarbeitsbranche also besonders unter dem Fachkräftemangel?
Nicole Munk: Wir haben keinen Fachkräftemangel. Wir haben einen generellen Arbeitskräftemangel. Und der wird zukünftig noch größer. Also lohnt sich der Blick über die Grenzen und da kommt das SYNERGIE-Netzwerk ins Spiel mit seinen 600 Niederlassungen in Europa. Vor Ort sitzen nun Spezialisten, die den jeweiligen Arbeitsmarkt genau kennen und eine entsprechend passgenaue Vorauswahl treffen können.

Klingt einleuchtend, aber sind die Unternehmen überhaupt bereit, im größeren Umfang auf ausländische Arbeitskräfte zu setzen?
Nicole Munk: Ja und nein. Die Geschäftsleitungen sind überaus offen und forcieren das Thema. Was allerdings fehlt, ist eine durchgängige Willkommenskultur.

Was genau verstehen Sie darunter?
Nicole Munk: Wenn die obere Ebene die Neuankömmlinge mit offenen Armen begrüßt, ist das schön, es reicht aber nicht. Die Probleme kommen im Alltag. Diese Mitarbeiter bleiben nur hier, wenn sie sich wohl fühlen. Wohl fühlen bedeutet soziale Kontakte. Da sind in erster Linie die Kollegen am Arbeitsplatz gefragt. Reden, einbeziehen, mit in die Pausen nehmen – das sind die entscheidenden Punkte. Natürlich ist da die Firmenleitung gefragt, der Belegschaft zu vermitteln, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen und in einem fremden Land neu anzufangen.

Zurück zum deutschen Arbeitsmarkt. Wie finden Sie dort neue Mitarbeiter?
Nicole Munk: Na ja, das ist schließlich unsere Kernkompetenz. Alleine in den ersten zehn Monaten haben wir über 1.700 Mitarbeiter gefunden und eingestellt. Das zeigt auch, wie groß die Fluktuation ist. Denn viele sind so gut, dass die Unternehmen sie schnell in die eigene Belegschaft übernehmen. Was im Übrigen auch eine der neuen Dienstleistungen ist: für Kunden den gesamten Rekrutierungsprozess sowie Gehaltsabrechnungen und ähnliches zu übernehmen. Sozusagen als ausgelagerte Personalabteilung.

Im Branchenverband iGZ engagieren Sie sich ebenfalls und leiten dort die Arbeitsgruppe „Zeitarbeit 2030“. Wie verändert sich denn die Zeitarbeit?
Nicole Munk: Sicherlich wird es zu einer Konzentration auf dem Markt kommen. Dafür sorgt schon alleine die Politik mit immer neuen Gesetzen und Vorschriften. Die bringen einen immer größeren bürokratischen und damit personellen Aufwand mit sich, vom Fachwissen und den entsprechenden Investitionen ganz zu schweigen. Und das führt letztlich dazu, dass viele kleinere Personaldienstleister diesen Aufwand nicht mehr stemmen können.

In der Politik sind die Freunde der Zeitarbeit eher rar gesät. Nun steht mit der Befristung der Überlassungsdauer die nächste Änderung bevor. Ein Gesetzesvorhaben, das die Branche vehement bekämpft, weshalb?
Nicole Munk: Weil es unsinnig und praxisfremd ist. Das zeigt alleine schon der Umstand, wie die Begrenzung auf 18 Monate zustande kam. Der eine Koalitionspartner hatte 24 Monate im Wahlprogramm stehen, der andere 12. Also einigte man sich auf die Mitte. Ziel des ganzen ist es, Übernahmen zu erleichtern. Aber die Übernahmequote liegt derzeit schon bei über 40 Prozent. Viel höher wird die nicht werden, denn Firmen brauchen eine gewisse Personalflexibilität. Viel schlimmer ist, dass Unternehmen dadurch eingearbeitete Mitarbeiter verlieren. Und ist nach 18 Monaten wirklich Schluss, verliert der Mitarbeiter alle Branchenzuschläge und fängt beim nächsten Job wieder beim normalen Tariflohn an.




Hinweis zum Artikel: GMW heißt jetzt SYNERGIE.
Seit 2011 gehört GMW zur internationalen SYNERGIE-Gruppe und hat in 2014 auch deren Namen übernommen. Seitdem firmiert das Unternehmen als SYNERGIE Personal Deutschland GmbH. Lesen Sie hier mehr dazu.

Information teilen:

Facebook twitter Google+ XING linkedin

Kommentar senden

Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Wenn Sie den Code nicht lesen können, klicken Sie bitte auf den Code, um einen neuen zu generieren.
 

Besuchen Sie uns auf unseren Social Media Seiten und vernetzen Sie sich mit uns:

Um unsere Website für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen...
Verstanden
Job finden Initiativ bewerben Kontakt aufnehmen